DİLŞAD, Çiğdem, Zelal, Ecem, Gökçe, Şafak und Meltem sind junge Europatürkinnen und Europatürken; im berühmten Künstlerhaus in München empfangen sie türkische und deutsche Gäste.
Alle sprechen mindestens zwei bis drei Sprachen. Die einen haben Jura abgeschlossen, die anderen sind Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler; auch Fachleute für Marketing und Kommunikation sind darunter … Die Zahl der Jurastudienabschlüsse ist in den letzten Jahren unglaublich gestiegen; in Hamburg etwa soll es 1997 keine einzige türkische Anwältin und keinen einzigen türkischen Anwalt gegeben haben … In Deutschland ist diese Zahl inzwischen auf 500 gestiegen. Warum entscheiden sich Türkinnen und Türken für den Anwaltsberuf? Als Kinder von Zugewanderten suchen sie gegen die erlebte Ausgrenzung nach „Gerechtigkeit“. Weil ihre Eltern die Sprache nicht gut beherrschten, haben sie sich schon in jungen Jahren mit behördlichen und gerichtlichen Angelegenheiten befasst und sind so gewissermaßen zu „den Anwältinnen und Anwälten ihrer Eltern“ geworden. Und wenn dazu noch Einbürgerungsverfahren, Eheschließung, Scheidung, Sozialleistungen, Immobilien- und Mietprobleme kommen und dazu Abzockereien nach dem Muster von Yimpaş, Kombassan, Jetpa und Deniz Feneri … Als Kinder geschädigter Familien greifen sie nach dem einzigen Ausweg, der „Waage der Gerechtigkeit“. Und weil die wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit ihrer Entwicklung auch diese kulturelle Integration beschleunigen, wächst bei internationalen Investitionen zugleich der Bedarf an türkischen Juristinnen und Juristen. So werden diese jungen Menschen, die EU- und deutsches Recht studiert haben, mit all ihrer Erfahrung zum Teil des „Braingains“ in Richtung Türkei. Auf einer Konferenz in München zum Thema „Investitionsperspektiven in der Türkei und der rechtliche Rahmen“ sind wir diesen Wirklichkeiten begegnet. Wir haben genau hingesehen; sie hatten eine Leitfigur. Dr. Mehmet Köksal — in der Türkei geboren und aufgewachsen, nach Abschluss seines Jurastudiums in Deutschland promoviert und Lehrbeauftragter an den Universitäten Yeditepe und Nürnberg — war im Rahmen der Eröffnung des Münchner Büros Gastgeber dieser Konferenz. Bemerkenswert war, dass zum ersten Mal eine türkische Kanzlei den Schritt tat, im Gebiet der Europäischen Union eine internationale „Rechtsmarke“ zu schaffen. Deutsche Fachleute äußerten interessante Einschätzungen zur Türkei. Dr. Mehmet Köksal, der zahlreiche deutsche Unternehmen zum türkischen Recht berät, hob einen wichtigen Punkt hervor: „Die großen internationalen Kanzleien schaffen in unserem Land, anders als angenommen wird, keinen Mehrwert, indem sie in der Türkei Büros eröffnen und mitunter erfolgreiche türkische Kanzleien übernehmen. Sie zahlen lediglich Gehälter und stellen sämtliche Rechnungen in ihren eigenen Ländern aus. Weil sie ihre Rechnungen aus dem Ausland ausstellen, entstehen der Türkei Steuerausfälle. Deshalb müssen auch die türkischen Kanzleien gefördert werden, damit sie zu internationalen Marken werden können. Genau dafür haben wir die Köksal Avukatlık Ortaklığı gegründet; und genau deshalb haben wir begonnen, in Deutschland zu arbeiten.“ Die Sozietät bringt die Beratung zum türkischen Recht in der jeweils eigenen Sprache und der jeweils eigenen Kultur direkt zu jenen Unternehmen, die Investitionswillige für die Türkei gewinnen. Zugleich heißt es, die Zahl der ausländischen Kanzleien in der Türkei habe inzwischen 40 erreicht. Ihre jüngste Arbeit ist der Kampf, den sie gegen die „Markenfälschung“ führen …
Kernpunkte
- Der Eintrag steht im Zusammenhang mit der rechtlichen und wirtschaftlichen Agenda auf der deutsch-türkischen Achse.
- Der Beitrag berührt die Agenda der Unternehmen in den Bereichen Investition, Marktzugang und grenzüberschreitendes Wachstum.
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