Warum jetzt?
Rechtsabteilungen stehen unter dem Druck steigender Vertragsvolumina, wachsender Regulierungsdichte und der Erwartung, „mit weniger mehr“ zu leisten. Legal Tech ist die Antwort auf diese Gleichung – Werkzeuge einzukaufen ist jedoch noch keine Transformation. Die Transformation beginnt mit der Standardisierung der Abläufe.
Praxishinweis
Der erste Kandidat für die Automatisierung sind Verträge mit hohem Volumen und geringem Verhandlungsanteil: Geheimhaltungsvereinbarungen, Standardanlagen für Beschaffung und Händlerverträge.
Bauen wir Ihre Legal-Tech-Transformation gemeinsam auf
Unser Legal-Tech-Desk verbindet Werkzeugauswahl, Vertragsarchitektur und Compliance-Rahmen in einem einzigen Projekt.
Stufe 1: Bestandsaufnahme und Standardisierung
Welche Vertragstypen laufen in welchem Volumen über wessen Freigabe? Ohne diese Bestandsaufnahme lässt sich keine Automatisierung aufbauen. Anschließend werden die Vorlagen verschlankt, alternative Klauseln (Fallbacks) definiert und die Freigabematrix schriftlich festgehalten. Das Ergebnis dieser Stufe ist der Rohstoff der Automatisierung.
Stufe 2: Vertragslebenszyklus und elektronische Signatur
Werkzeuge für das Contract Lifecycle Management (CLM) führen Anforderung, Erstellung, Verhandlung, Unterzeichnung und Verlängerungsüberwachung in einem einzigen Ablauf zusammen. Auf der Signaturebene ist die Wahl der Signaturart rechtlich entscheidend: Nach türkischem Recht steht die qualifizierte elektronische Signatur (güvenli elektronik imza, Gesetz Nr. 5070) der handschriftlichen Unterschrift gleich; Rechtsgeschäfte, die das Gesetz an eine amtliche Form oder an eine besondere Förmlichkeit bindet, sowie Bürgschaftsverträge – mit Ausnahme von Bankgarantiebriefen – können damit jedoch nicht vorgenommen werden. In der Prozessgestaltung ist deshalb jedem Vertragstyp die passende Signaturart zuzuordnen.
Stufe 3: Die Schicht der künstlichen Intelligenz
Künstliche Intelligenz bringt spürbare Geschwindigkeit bei der Erstprüfung, bei Zusammenfassungen, beim Screening des Datenraums und bei der Rechtsprechungsrecherche. Für den sicheren Einsatz gelten drei Regeln: Ihre Daten dürfen nicht als Trainingsdaten in das Modell fließen, das Ergebnis muss eine menschliche Freigabe durchlaufen, und die Nutzungsrichtlinie muss schriftlich vorliegen. Im Beschaffungsvertrag sind Datenstandort, Vertraulichkeit und Haftung zu verhandeln.
Der Compliance-Rahmen
Das türkische Datenschutzgesetz (KVKK, Nr. 6698) und die DSGVO, die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht und – bei Arbeiten mit EU-Bezug – der AI Act ziehen die Linien der Legal-Tech-Architektur. Der Zugriff auf die Werkzeuge ist über eine Berechtigungsmatrix zu begrenzen, Protokollierung und Aufbewahrungsfristen sind zu definieren.
Die Regulierungsschicht: der rechtliche Rahmen von Legal-Tech-Projekten
Legal-Tech-Werkzeuge verarbeiten Recht, unterliegen aber selbst dem Recht. Jedes Modul, das personenbezogene Daten verarbeitet, muss durch den Filter des türkischen Datenschutzgesetzes (KVKK) und, bei Arbeiten mit EU-Bezug, der DSGVO laufen: Auftragsverarbeitungsvertrag, Aufbewahrungsfristen, Zugriffsrechte. Für Werkzeuge mit einer Komponente künstlicher Intelligenz bringt der AI Act gestufte Pflichten mit sich – ein Werkzeug zum Screening von Lebensläufen oder zur Risikobewertung, das die Rechtsabteilung selbst einsetzt, kann unbemerkt die Hochrisiko-Kategorie berühren. Bei Cloud-Verträgen wiederum stärken die Regeln des Data Act zu Anbieterwechsel und Übertragbarkeit Ihre Verhandlungsposition. Wer ein Werkzeug auswählt, wählt immer auch dessen Compliance-Rahmen mit aus.
Ein Startplan über 90 Tage
Die Reihenfolge, die sich in unserer Erfahrung bewährt hat, sieht so aus. Tag 1 bis 30: Vertragsinventar, Volumenanalyse und Verschlankung der Vorlagen; als schneller Gewinn die Automatisierung der Geheimhaltungsvereinbarungen. Tag 31 bis 60: Freigabematrix und Zuordnung der Signaturarten; Prüfung der rechtlichen Wirksamkeit der Integration der elektronischen Signatur; Aufbau der Infrastruktur zur Digitalisierung von Verträgen. Tag 61 bis 90: Pilot mit künstlicher Intelligenz – Erstprüfung oder Zusammenfassung, menschliche Freigabe zwingend –, Veröffentlichung der Nutzungsrichtlinie und Inbetriebnahme des Messboards mit Durchlaufzeit, Fehlerquote und verpassten Verlängerungen. Dieses Tempo überfordert das Team nicht und hinterlässt am Ende jedes Monats einen vorzeigbaren Gewinn.
Der Ansatz von Köksal
Unser Legal-Tech-Desk ist ein Team, das Rechtstechnologien zugleich einsetzt und aufbaut: Unsere Prozessautomatisierung und unsere KI-gestützten Rechtsdienstleistungen betreiben wir in unseren eigenen Arbeitsabläufen. Diese Praxiserfahrung tragen wir zusammen mit Werkzeugauswahl, Vertragsverhandlung und Compliance-Rahmen in die Mandate hinein; die türkischrechtliche Seite bearbeitet Köksal in Istanbul, die deutschrechtliche unsere Partnerkanzlei activelaw (Hannover). Für den rechtlichen Rahmen der künstlichen Intelligenz ist unsere Roadmap zum AI Act die ergänzende Lektüre.
Fazit
Erfolg in Legal Tech ist messbar: Durchlaufzeit, Qualität des ersten Entwurfs, Zahl der verpassten Verlängerungen. Eine Transformation, die in der richtigen Reihenfolge und mit einem realistischen 90-Tage-Plan aufgebaut wird, macht aus der Rechtsabteilung statt einer Kostenstelle eine Funktion, die dem Unternehmen Geschwindigkeit gibt.



